Die Idee


Der Bürgerbus - von der Idee zum Erfolg

Die Idee, in Hamminkeln einen Bürgerbus ins Rollen zu bringen, wurde in der Zukunftswerkstatt „Loikum 2020“ geboren, die die Dorfgemeinschaft am 22.03.2003 durchgeführt hat. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe "Arbeitsplätze und Verkehrsverbindungen" hielten sich nicht lange mit Klagen über die trostlose Situation des öffentlichen Personennahverkehrs im ländlichen Raum auf, sondern sie hatten eine Vision: „Wir brauchen einen Bürgerbus, mit dem sich Verbindungen nach Dingden und Hamminkeln auf der einen Seite und nach Wertherbruch und Bocholt auf der anderen Seite schaffen lassen. Das können wir jedoch nicht allein, dazu brauchen wir die Zusammenarbeit mit Wertherbruch. Und die klappte, wie schon bei anderen Projekten zuvor, auch diesmal hervorragend".

 

Am 26.11.2003 trafen sich jeweils fünf engagierte Bürgerinnen und Bürger aus beiden Dörfern im evangelischen Gemeindehaus Wertherbruch und gründeten den „Bürgerbusverein Loikum - Wertherbruch e.V.“. Die Vorstandsmitglieder waren schnell gewählt, und mit August Exo als Vorsitzenden und Theresia Weyer als Stellvertreterin traten zwei besonders engagierte Leute an die Spitze des Vereins. Sie hatten schon im Vorfeld Erkundigungen bei den Bürgerbusvereinen Alpen und Winnekendonk eingeholt und auch schon Gespräche mit der Stadt Hamminkeln und der NIAG geführt. Nachdem die Auswertung der Haushaltsbefragung in Loikum und Wertherbruch ein großes Interesse der Bevölkerung ergeben hatte, gaben die NIAG und die Stadt Hamminkeln grünes Licht für den Bürgerbus.

 

Mit dem Logo „Verbindungen schaffen“ und dem Slogan „Bürger fahren für Bürger“ begann der Vorstand mit der Werbung von Vereinsmitgliedern, von Bürgerbusfahrerinnen und Bürgerbusfahrern und von Sponsoren. Alle Bemühungen waren erfolgreich.

 

Zum Stichtag 31.08.2006 zählte der Bürgerbusverein 125 Mitglieder. Sieben Mitglieder erklärten sich bereit, im Vorstand mitzuarbeiten. 40 Mitglieder - 11 Frauen und 29 Männer - versehen ihren Dienst als ehrenamtliche/r Bürgerbusfahrer/-in. Die Fahrer/-innen stammen erfreulicherweise nicht ausschließlich aus Loikum und Wertherbruch, sondern auch aus den Ortsteilen Dingden, Mehrhoog und Ringenberg sowie den Städten Hamminkeln, Bocholt und Wesel.

 

Der Bus, dessen Werbeflächen so gut wie alle vergeben sind, fährt auf seiner Linie wochentags von 7:55 Uhr bis 20:18 Uhr. An Samstagen wird die Linie zusätzlich von 9:55 Uhr bis 16:18 Uhr bedient. Die rund 32 Kilometer lange Streckenführung von Hamminkeln über Dingden, Loikum und Wertherbruch nach Bocholt ist mit 41 Haltestellen bürgernah und fahrgastfreundlich.

 

Die Fahrpreise sind vergleichsweise niedrig und liegen vielfach unter den Parkgebühren in Bocholt. So ist es nicht verwunderlich, dass der Bürgerbus sehr gut angenommen wird. Dieses belegen die erfreulicherweise stetig steigenden Fahrgastzahlen. Mit durchschnittlich 746 Fahrgästen im Monat liegt das Fahrgastaufkommen deutlich über den anfänglich von den Experten erwarteten Zahlen.

 

Fahrgäste sind begeistert

„Der Bürgerbus ist einfach super“, sagen die Kinder und Jugendlichen, und auch die ältere Generation ist mit dem neuen Verkehrsmittel sehr zufrieden. „Ich kann jetzt vor der Haustür einsteigen und zum Arzt oder zum Einkaufen nach Hamminkeln, Dingden oder Bocholt fahren“, sagen viele. Und auch die Bürgerbusfahrerinnen und Bürgerbusfahrer beurteilen ihre ehrenamtliche Tätigkeit sehr positiv: „Es macht einfach Spaß, den Bürgerbus zu fahren. Alle Fahrgäste sind freundlich, und die meisten bedanken sich beim Aussteigen für das neue Verkehrsangebot. Vielleicht könnte unser Bürgerbus ja auch ein Beispiel für andere Ortsteile der Stadt Hamminkeln werden, in denen die Verkehrssituation ähnlich schlecht ist wie früher bei uns.“ – Dass man durch bürgerschaftliches Engagement neue Verbindungen schaffen kann, hat der Bürgerbusverein Loikum – Wertherbruch e.V. eindrucksvoll bewiesen.

© 2006 Bürgerbus Loikum-Wertherbruch e.V.


Bürgerbus - was ist das?

 

In ländlichen Regionen mit geringer Bevölkerungsdichte können die kommunalen Verkehrsunternehmen häufig kaum noch unter wirtschaftlich tragbaren Bedingungen Buslinien einrichten und betreiben. Die Bürgerbusse bieten sich hier als alternative, bedarfsorientierte Bedienungsform und wirtschaftlich passende Betriebsgröße an.

Der Bürgerbus ist heute ein ganz normaler Linienverkehr auf einer konzessionierten Linie mit Fahrplan, Haltestellen und einem genehmigten Tarif. Er bedient oder ergänzt auf regelmäßigen Linien den Ortsverkehr und die ländlichen Randgebiete einer Gemeinde. Er fährt Kinder zum Kindergarten, Sportplatz oder ins Hallenbad, bringt Bürgerinnen und Bürger aus Randgebieten ins Stadtzentrum zum Einkaufen, Arztbesuch oder ins Rathaus.

Er lebt vom ehrenamtlichen Engagement der Bürgerbusfahrer und -fahrerinnen und durch die Unterstützung der nordrhein-westfälischen Landesregierung. Die Kommune (www.hamminkeln.de) sichert nicht nur den gegebenfalls notwendigen Verlustausgleich, sondern schafft damit erst die Voraussetzung für den Landeszuschuss zum Fahrzeugkauf. Zudem beantragt sie den jährlichen Organisationskostenzuschuss bei der zuständigen Bezirksregierung und sorgt damit für Geld in der Kasse des Bürgerbusvereins. Ein Verkehrsunternehmen (www.niag-online.de) sichert die verkehrsrechtliche und die technische Seite ab. Dabei ist und bleibt der Bürgerbus ein Verkehrsmittel, das auf dem Prinzip der Selbstverantwortung der Bürger beruht:

Bürger fahren für Bürger! (www.pro-buergerbus-nrw.de)


So werde ich Bürgerbusfahrer/-in

 

Nicht jeder, der einen Führerschein hat, darf auch einen Bürgerbus steuern. Der Gesetzgeber stellt besondere Anforderungen:

 

  • Wer zwischen 21 und 70 Jahre alt ist, einen Führerschein der Klasse B (alt: 3) besitzt und über mindestens zwei Jahre Fahrpraxis verfügt, kann Bürgerbusfahrer/-in werden.

 

  • Arbeits- oder Betriebsmediziner untersuchen auf Vereinskosten zusätzlich die Tauglichkeit der Kandidaten. Schließlich sollen die künftigen Fahrgäste sicher sein, dass die ehrenamtlichen Fahrerinnen und Fahrer den neuen Aufgaben auch voll gewachsen sind. Der Untersuchungsumfang richtet sich nach der arbeitsmedizinischen Richtlinie „Grundsatz 25“ (Untersuchung für Fahr-, Steuer- und Überwachungstätigkeiten) unter Verzicht auf die Leistungsuntersuchung (nach Anlage 5 Ziffer 2 FeV). Der Grundsatz 25 beinhaltet auch die Augenuntersuchung. Ein gesondertes augenärztliches Gutachten ist nicht erforderlich.
  • Die bisherige Fahrerlaubnis muss auf die neuen EU-Klassen umgestellt und eine Erlaubnis zur Fahrgastbeförderung muss erworben werden. Beides wird über den Bürgerbusverein, der auch die Kosten trägt, bei den zuständigen örtlichen Straßenverkehrsämtern (StVA) beantragt. Der Bürgerbusverein beantragt über die Kommune ein Führungszeugnis aus dem zentralen Personenregister in Berlin. Die Unterlage geht direkt zum StVA.
  • Zum Antrag auf Erteilung einer Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung werden noch benötigt:
    - Zwei Kopien vom bisherigen Führerschein und vom Personalausweis
    - Zwei Lichtbilder 35 x 45 mm im Halbprofil (Passfoto)

    Die Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung wird jeweils für eine Gültigkeitsdauer von nicht mehr als 5 Jahren ausgestellt.
  • Nach Erteilung der Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung werden die neuen Fahrerinnen und Fahrer durch einen Verkehrsmeister des zuständigen Verkehrsunternehmens praktisch in den Bürgerbus-Betrieb eingewiesen, erhalten einen Dienstausweis und werden bei der Berufsgenossenschaft angemeldet.
  • Auch im Bürgerbus-Verkehr gilt: Pünktlichkeit und Service für die Fahrgäste stehen obenan. Die Fahrerinnen und Fahrer arbeiten nach einem verabredeten Dienstplan und fahren auf festgelegten Routen alle Haltestellen fahrplanmäßig an. Mit der Leitstelle des zuständigen Verkehrsbetriebes und dem Vorstand des Bürgerbusvereins können Sie in Notfällen über ein Mobiltelefon Verbindung aufnehmen.

 

Achtung! Die Gültigkeit der Fahrerlaubnis und die Untersuchungsfristen sind nicht zwangsläufig deckungsgleich. Die Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung berechtigt nur innerhalb des durch die letzte Untersuchung abgedeckten Zeitraums zum Fahren eines Bürgerbusses. Bürgerbus-Fahrerinnen und -Fahrer, die älter als 65 Jahre sind, erhalten in ihrem Führerschein auf Seite 4 folgende zusätzliche Eintragung: „Ab dem 65. Lebensjahr ist die Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung nur gültig, wenn eine positive arbeits- oder betriebsmedizinische Untersuchungsbescheinigung mitgeführt wird, die nicht älter als 1 Jahr ist.“ Verkehrsbetriebe und Bürgerbus-Vereine sind verpflichtet, die Untersuchungsintervalle der von ihnen eingesetzten Fahrer zu überprüfen und keine Fahrer mehr mit Beförderungen zu beauftragen, die der Untersuchung nicht nachgekommen sind. Diese Verpflichtung besteht bereits nach Bekanntwerden des Versäumnisses einer Untersuchung. Die Entziehung der Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung durch die Fahrerlaubnisbehörde ist nicht abzuwarten.

 

Was machen diejenigen, die schon eine Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung für Taxen oder Mietwagen besitzen?

Wer bereits im Besitz eines Miet- oder Taxischeins ist, muss die Fahrerlaubnis für Bürgerbusse nachträglich eintragen lassen.

 

Wer erhält das Ergebnis der ärztlichen Untersuchung?

Die Ergebnisse der ärztlichen Untersuchung werden lediglich der untersuchten Person mitgeteilt und dem Straßenverkehrsamt mitgeteilt. Das Untersuchungsergebnis hat keine Auswirkungen auf den privaten Führerschein. Eine Kopie verbleibt in der Fahrerakte des Bürgerbusvereins. Alle personenbezogenen Daten sind vertraulich.

 

Was passiert, wenn nicht alles o.k. ist?
Das Straßenverkehrsamt kann im Einzelfall ergänzende Untersuchungen fordern. Der Antragsteller entscheidet, ob die Untersuchungen durchgeführt und das Ergebnis dem StVA mitgeteilt wird.

 

Entstehen den Fahrern Kosten durch die Untersuchung?
Die Kosten der ärztlichen Untersuchung übernimmt der Bürgerbusverein.

 

In welchen Zeiträumen sind die Untersuchungen zu wiederholen?
Die Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung wird für fünf Jahre erteilt und kann dann für jeweils fünf Jahre verlängert werden. Grundsätzlich ist bei jeder Verlängerung das Ergebnis einer Gesundheitsuntersuchung nach G 25 vorzulegen. Ab dem 65. Lebensjahr muss diese Untersuchung dann jährlich vorgenommen werden und das Ergebnis dieser Untersuchung ist mit der Fahrerlaubnis mitzuführen. Spätestens wenn eine Fahrerlaubnis erteilt oder verlängert wird, die über das 65. Lebensjahr hinausgeht, wird folgende Eintragung vorgenommen:
„Ab dem 65. Lebensjahr ist die Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung nur gültig, wenn eine positive arbeits- oder betriebsmedizinische Untersuchungsbescheinigung mitgeführt wird, die nicht älter als 1 Jahr ist.“

 

Zum Schluss:

Es sind viele Vorschriften einzuhalten. In der Praxis ist das aber halb so schlimm. Wir wissen von unseren z. Zt. 57 ehrenamtlichen Bürgerbusfahrerinnen und -fahrern, dass der Einsatz für unsere Mitbürger viel Freude und Abwechslung mit sich bringt.